Freitag, 1. Juni 2007

Von Leguanen und Attentäterautos

Es ist gar nicht so einfach mit Francois, denn wenn wir auf bevölkerten Strassen spazieren gehen, können wir kaum einen Schritt gehen, ohne dass wir von jemandem angehalten werden weil sie ihn streicheln wollen, ein Foto von ihm machen wollen oder folgende Fragen stellen:

Er/sie:„ Warum kann der Hund nicht laufen?“

Wir: „Weil er vor ihnen Angst hat!“

Er/sie:„Ahhh!“, dann kommen sie her, tätscheln ihm ausgiebig das Gesicht und bedauern ihn dabei, was für eine Angst er aussteht, während er uns um Hilfe flehend ansieht.

Aber Francois ist nicht nur der Fotostar, er lernt auch fleißig dazu und hat heute z.B. schon zum vierten Mal gebellt, als jemand mit dem Beiboot zu uns kam. Auf einigen der Inseln, auf denen wir die letzte Zeit waren, ist es zwar verboten gewesen, den Hund mit an Land zu nehmen, doch mit der Zeit verloren wir etwas an Bedenken, als selbst der patrouillierende Polizist vor der Einklarierungsbehörde freundlich an uns vorüber gegangen ist.

Mayreau bot die schönste Bucht, die wir bisher gesehen hatten; vollkommen eingesäumt von einem kleinen goldenen Sandstrand, voller Palmen und kein Haus war zu sehen. Morgens hörten wir nur die Vögel rufen und die Brandung von der anderen Seite der Landzunge, wo sich ebenfalls ein viele hundert Meter langer Sandstrand erstreckt, an dem sich keine Menschenseele findet.

Von dort aus sah man schon die kleinen Inseln der Tobago Cays, umringt von einem großen Riff, nur noch wenige Meilen von uns entfernt. Wenige Tage später ankerten wir fast direkt hinter diesem Riff. Die ganze Gegend ist Naturschutzgebiet und eine Menge an interessanten Tieren und Pflanzen ist dort zu sehen. Gleich neben unserem Boot schienen große Schildkröten zu leben. Jedes mal, wenn Markus eine von ihnen vorbeischwimmen sah, sprang er ihr hinterher und schwamm mit ihr mit; das geschah nicht gerade selten am Tag. Eines frühen Morgens hatte er sie wieder entdeckt. Er zog schnell die Schnorchelsachen an und stand schon sprungbereit. Das Wasser war von dem Wind etwas unruhig und ließ keine gute Sicht zu. „Halt, spring nicht!“ konnte ich im letzten Augenblick noch rausbringen „da ist ein riesiger Fisch direkt vor dir!“ Markus stieg vorsichtshalber in unser Beiboot und lugte über die Gummischläuche hinab in die Tiefe. Ein riesiger, ca. durchschnittsmenschengroßer Baraccuda schwebte gleichsam direkt unter unserem Boot. Ich weiß nicht, wie gut es sich auf einem Baraccuda reiten lässt, aber ich hätte keine Lust, auf einem Tier mit einem solchen Gebiss zu landen. Markus war gar nicht mehr aus dem Wasser zu holen, so fasziniert war er, und dank der Unterwasserkamera konnte er auch einige schöne Bilder machen. Das Highlight war, als sich der Barracuda langsam aus dem Kamerasucher entfernte, und hinter ihm die ersehnte Schildkröte auftauchte.

Später trafen wir noch einen Leguan an Land, der sich auf einem Stein sonnte und von uns dummen Touristen mal wieder in der Mittagspause gestört wurde. François konnte endlich einmal von fremden Menschen unbehelligt umhersausen, und hielt sich glücklicherweise von den grossen Kakteen fern.

Doch man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es gerade am schönsten ist, und so zogen wir am nächsten Morgen weiter gen Süden. Union Island wirkte auf uns etwas befremdlich, daher zogen wir gleich am nächsten Tag weiter nach Carriacou. Erst ab hier war Francois endlich wieder legal an Land zu bringen, was wir auch gleich mit einem extragroßen Spaziergang feierten. Mit „unseren“ Italienern und neu kennen gelernten deutschen Seglern erkundeten wir mit einem Kleinbus die Insel, abends gab es Hünchen und frischen Fisch am Strandlagerfeuer.

Beim Verdauungsspaziergang wären wir beinahe allesamt von einem wahrhaft barbarisch Manövrierenden „einheimischen“ überfahren worden. Als wir kurz darauf einen kleinen Weg zwischen Schafweiden und Palmenhainen entlang gingen, sahen wir das „Attentäterauto“. Der Eigner lies auch nicht lange auf uns warten, stierte uns aus Hasserfüllten Augen an, und teilte uns mit, dass wir uns auf Privatgelände befänden. Wir wahren zwar in der Überzahl, und hätten ihn für seinen lebensfeindlichen Fahrstil liebend gerne ordentlich den Hintern versohlt, doch wir wollten ja als gutes Beispiel dienen können, und zogen schlaglos wieder von dannen.